Achtsamkeit und Muße

017Wenn  wir uns auf die Heldinnenreise begeben, gibt es zwei Haltungen, die uns sehr nützlich sein können: Achtsamkeit und Muße.
Beides können wir täglich üben, beides ist uns immer verfügbar. Mir hat besonders die schöne Anmerkung von Pema Chödrön geholfen, die uns erinnert, nicht immer sofort den Raum vollzustopfen, sobald sich die kleinste Lücke auftut.
Manchmal in den Sitzungen im Reha-Zentrum haben Patientinnen Messgeräte am Körper, die alle fünfzehn Minuten einen Ton von sich geben, dann ein bisschen rattern, und schließlich, nach einer Pause, nochmal  einen Ton machen. Die Trägerinnen entschuldigen sich dann meist für die Störung.
Mir fallen dann immer die Meditationsgongs ein, und ich schlage dann vor, die Messgerät-Töne dafür zu nehmen. Wenn die erklingen, erinnern wir uns kurz, wer wir sind, wo wir sind, wann wir sind:
Ich Hier Jetzt.
Einfach ein kurzes Lächeln, Innehalten, und weiter. Raum öffnen. Achtsam. Kurzer Augenblick der Muße.

„Die Reise beginnt mit unserer Verpflichtung zu Sanftheit und Aufrichtigkeit, unserer Verpflichtung, wach zu bleiben und achtsam zu sein. (…) Es ist die Übung, nicht augenblicklich den Raum voll zu stopfen, sobald sich auch nur die kleinste Lücke auftut.“ – Pema Chödrön

„Achtsamkeit heißt bemerken, was jetzt grade geschieht, und erinnern, was hilft und heilt, mich und andere. Beides – bemerken und erinnern – geschieht mühelos. Was Mühe kostet, ist das Schaffen des Settings, die Bereitschaft, genau hinzuschauen, immer und immer wieder. Und das ist nur in Muße möglich. (…) Muße bedeutet nach Hannah Arendt: frei sein von äußeren und inneren Zwängen. Mit Muße sind wir frei von der Vorstellung: ‘Ich sollte lieber etwas Vernünftiges machen und nicht bloß herumsitzen und nichts tun.‘ “ – Sylvia Wetzel

Literaturhinweise:

Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht. Hilfestellung für schwierige Zeiten. Goldmann, München 2001
Sylvia Wetzel: „Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Erwachen – buddhistische Perspektiven“ In: Luise Reddemann (Hg.): Kontexte von Achtsamkeit in der Psychotherapie. Kohlhammer, Stuttgart 2011, S. 39-51