Kategorie-Archiv: Achtsames Schreiben

„Achtsames Schreiben“ ist ein Feld der KraftquellenArbeit.
Das Leitbild des Achtsamen Schreibens ist die Meditation mit ihrer Zentrierung
auf das Hier und Jetzt, den fließenden Atem und das Betrachten der eigenen
inneren Bewegungen ohne Bewertung. Diese meditative Haltung wird ins
Schreiben übernommen: Techniken wie Morgenseiten schreiben,
fließendes Schreiben, Haiku schreiben und andere Schreibformen
machen das achtsame Schreiben aus.
Es geht hier also nicht um Adressaten- oder Produktorientierung, sondern
um eine achtsame, meditative Haltung beim Prozess des Schreibens.
Die Schreibhaltung der Achtsamkeit dient der Pflege der eigenen inneren
Ressourcen und damit der Stärkung der Resilienz.

Nicht immer so: Glücksmomente

 

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Das große Buch, in das wir die Morgenseiten schreiben, lässt sich umdrehen und wieder aufklappen, dann ist es das Buch für die abendlichen Glücksmomente. Das Rezept ist einfach: Jeden Abend vor dem Schlafengehen den Glücksmoment des Tages aufschreiben, mit ein bisschen Butter bei die Fische, so dass auch nach einem Jahr beim Wiederlesen der Moment noch erinnerbar wäre. Ohne Glücksmoment kein Schlafengehen.

Dann kommen die Nachfragen: was, wenn der Tag keinen Glücksmoment bot, sondern nur Continue reading

Listen schreiben: die Welt er-zählen

„(…)  ich arbeitete an meinen Listen bevorzugt in Momenten, in denen niemand anders an Listen auch nur gedacht hätte, und störte mich an den verwunderten Blicken schon lange nicht mehr.“
– Lena Gorelik: Die Listensammlerin

Lena Gorelik beschreibt das Herstellen einer Ordnung im Geist: die Aufzählung. Das kann zur Obsession werden. Wenn der sinnvolle Zusammenhang fehlt oder nicht gestaltet werden kann, wenn die Sätze nicht da sind und die Begründungen fehlen, wenn die Ordnung neu ist oder gefährdet, wenn wir uns fühlen, als seien wir in einem Labyrinth, wenn etwas zusammenbricht,  dann hilft manchmal: aufzählen, was ist. Continue reading

Morgenseiten schreiben

23.7.13 014Als wir die Schreibwerkstatt im Utersumer Reha-Zentrum einrichteten, habe ich behauptet, Schreibwerkstätten würden immer leere Bücher an die RehabilitandInnen ausgeben, die billigen Supermarktkassen-Bücher mit festem Einband und linierten Seiten. Und Kulis. Seither habe ich immer einen Vorrat im Schrank, und wenn der ausgeht, beantrage ich Nachschub. Also kann ich große leere Bücher austeilen, die sich dafür eignen, morgens im Bett beschrieben zu werden. In der Schreibwerkstatt des Utersumer Reha-Zentrums sind ganz überwiegend Frauen, die eine gyn-onkologische Diagnose hatten. Ich empfehle ihnen, Morgenseiten zu schreiben.
Das Rezept Continue reading

Lob des Lungerns

Dieser Beitrag erschien zuerst im blog www.inselschreibwerkstatt-blog.de

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Lungern, lungern … wo kommt das Wort eigentlich her? Lungern… was sagt Kluges etymologisches Wörterbuch? „Herkunft unklar.“ Aha. Hat was mit gelingen zu tun, auch mit begierig, neugierig. Im Englischen gibts den wundervoll bildhaften Begriff des  lounge lizard, also der Echse, die in der Hotellounge, eben: lungert. Wie das Echsen so tun. Herumlungern. Im Übergangsbereich zwischen hier und dort.
Ich lobe das Lungern Continue reading

Heilsames Schreiben in der Reha

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23.7.13 013Weil ich immer wieder gefragt werde, was wir denn in der Schreibwerkstatt des Reha-Zentrums Utersum so machen, habe ich kürzlich mal die TeilnehmerInnen gefragt, was für sie denn in dieser Schreibwerkstatt passiert. Hier sind einige Antworten:

Losschreiben einfach seinen Gedanken freien Lauf lassen ganz frei oder zu einem Thema. Blitzlichter seines versteckten Ichs erkennen, entdecken, alte und neue Gedanken formulieren und festhalten oder loslassen. Sich befreien Ideen anderer aufsaugen sich berühren lassen von den Gedanken anderer Continue reading

Den Raum frei und offen lassen

Dieser Beitrag erschien zuerst unter dem Titel:“Ich bin ja eigentlich gegen…“ im blog www.Inselschreibwerkstatt-blog.de .

23.7.13 043Ich bin ja eigentlich gegen Vorbereitung, aber für die Schreibwerkstatt heute abend hatte ich bei Pema Chödrön nachgelesen:
„Der Trick ist, dass du loslassen und dich wieder für die Weite öffnen kannst. Das kannst du in jedem Augenblick, immer. Dazu musst du aber schon Freundschaft schließen mit dir selbst. Du musst deine Wut, deine Selbstverachtung, dein Wünschen und Begehren, deine Langeweile kennen lernen und mit all diesen Dingen Freundschaft schließen.“ (zitiert bei: Christine Bolam:“Einladung zum Glück“, Kamphausen 2003, Seite 59).

Und dann war keine/r da. Das hat es noch nie gegeben. Nicht ein Mensch in der Schreibwerkstatt. Ich hatte die Türen nach drinnen und nach draußen geöffnet, hatte Knospen, Blüten, verblühte Blüten und grüne und rote Hagebutten der Hundsrose auf den Tischen verteilt, Continue reading

Haiku-Schreiben als Kraftquelle

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Aus der Schreibwerkstatt  im Reha-Zentrum Utersum auf Föhr:

Nicht wissen was kommt
Gespannt sein auf das Neue
Mit Schwung nach vorne

Gedanken spielen
Gedanken kreisen im Kopf

Gedanken ruhen

Kirschblütenvogel
Helfe mir in meiner Angst

Flieg einfach höher

M/Ein Kind an der Hand
Vertrauensvoll kurzer Blick

Welt steht uns offen

Heldinnenreise:
die Geschichten des Lebens

lassen mich wachsen

Achtsames Schreiben

23.7.13 052Achtsames Schreiben: der Begriff entstand gestern in der Schreibwerkstatt. Eine Rehabilitandin, die auch meditiert, sagte spontan,  nachdem sie meine Anleitung gehört hatte:  „Das ist ja wie in der Achtsamkeitsmeditation, also nur wahrnehmen und annehmen und gehen lassen, wie beim Atmen.“
Genau. 

Ich gebe immer ungefähr folgende Anleitung:
„Schreiben Sie alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Rechtschreibung und Stil sind nicht wichtig, Sie können ganze Sätze machen, halbe oder gar keine. Stellen Sie sich vor, Sie wären Ihre eigene Aufzeichnungsmaschine,  Continue reading