Kategorie-Archiv: Literatur: Bücher, die helfen

Die Literaturangaben der Fachliteratur, die ich in der KraftquellenArbeit verwende und auch der Empfehlungen aus den Büchergesprächen, die ich unter dem Titel: „Bücher, die helfen, und Menschen, die die Bücher brauchen können“ im Reha-Zentrum veranstalte.

Von der Einkaufsliste…

… zum Lebens-Inventar. Wie Listen die Welt erfassen.
05.12.2014 17:00 – 19:00 Ort: WDR-Gebäude, Wyk

Vortrag und Gespräch, veranstaltet von der vhs Föhr.
Bitte Schreibzeug mitbringen, wir werden ein paar Listen schreiben: die Murtaugh-Liste, die Löffel-Liste…!

Ich habe schon hin und wieder im KraftquellenArbeit-blog etwas über Listen geschrieben, und in der KraftquellenArbeit machen wir immer öfter Listen: Wofür ich dankbar bin; Was mein Leben reicher macht und andere. Es gibt ein schönes Buch über Listen, von Lena Gorelik: Die Listensammlerin. Und natürlich hat auch Umberto Eco ein Buch über Listen geschrieben: Die unendliche Liste. Mich fasziniert das Thema, und ich beobachte höchst interessiert, was Listen machen und was Menschen mit Listen machen: Listen sind ein epistemisches Werkzeug, sie schaffen Erkenntnisse. …
Ich danke der vhs in Gestalt von Karima Meynköhn für die Einladung, bitte um Anmeldung unter 04683-963187 und freue mich auf unser Winter-Gespräch!

 

Schreibend die Dämonen zum Tee einladen

Dies ist ein längerer Artikel zu einer Methode des Heilsamen Schreibens, die ich entwickelt habe und mit Schreibwerkstatt-TeilnehmerInnen und anderen Menschen ausprobiert und diskutiert habe. Ich danke der ungenannten Teilnehmerin, die mir ihren Text zur Verfügung stellte, so dass ich die Methode an diesem Beispiel darstellen kann, und allen, die daran mit mir diskutiert haben!
Die Methode Schreibend die Dämonen zum Tee einladen bezieht sich auf Grundlagen des Buddhismus, der Psychologie und der Theorie des Schreibens, die ich hier zusammenbringe und wirken lasse.
Schreibend die Dämonen zum Tee einladen dient der Stabilisierung und der Stärkung durch Integration von als schwierig empfundenen Anteilen.

Heilsames Schreiben: Die Dämonen zum Tee einladen

„Achtsamkeit erhellt und verwandelt.“ – Thich Nhat Hanh

„Lad doch Deine Dämonen zum Tee ein!“  – Genau. Aber wie geht das?

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Die Dämonen füttern

Tsultrim Allione hat in ihrem Buch: „Feeding your Demons. Ancient Wisdom for Resolving Inner Conflict“ eine Methode beschrieben, die aus dem alten Chöd-Glauben Tibets kommt und von der buddhistischen Nonne Machig Labdrön von etwa tausend Jahren aufgeschrieben wurde.

Im Kern ist die Methode sehr einfach und  wird von heutigen PsychologInnen positiv  gewürdigt, weil sie den seelischen Gegebenheiten aus heutiger, westlicher Sicht entspricht: es geht um Integration des Gefürchteten, des Schattens, dessen, was Angst macht und beeinträchtigt. Continue reading

Achtsamkeit und Muße

017Wenn  wir uns auf die Heldinnenreise begeben, gibt es zwei Haltungen, die uns sehr nützlich sein können: Achtsamkeit und Muße.
Beides können wir täglich üben, beides ist uns immer verfügbar. Mir hat besonders die schöne Anmerkung von Pema Chödrön geholfen, die uns erinnert, nicht immer sofort den Raum vollzustopfen, sobald sich die kleinste Lücke auftut.
Manchmal in den Sitzungen im Reha-Zentrum haben Patientinnen Messgeräte am Körper, die alle fünfzehn Minuten einen Ton von sich geben, dann ein bisschen rattern, und schließlich, nach einer Pause, nochmal  einen Ton machen. Die Trägerinnen entschuldigen sich dann meist für die Störung.
Mir fallen dann immer die Meditationsgongs ein, und ich schlage dann vor, die Messgerät-Töne dafür zu nehmen. Wenn die erklingen, erinnern wir uns kurz, wer wir sind, wo wir sind, wann wir sind:
Ich Hier Jetzt.
Einfach ein kurzes Lächeln, Innehalten, und weiter. Raum öffnen. Achtsam. Kurzer Augenblick der Muße.

„Die Reise beginnt mit unserer Verpflichtung zu Sanftheit und Aufrichtigkeit, unserer Verpflichtung, wach zu bleiben und achtsam zu sein. (…) Es ist die Übung, nicht augenblicklich den Raum voll zu stopfen, sobald sich auch nur die kleinste Lücke auftut.“ – Pema Chödrön

„Achtsamkeit heißt bemerken, was jetzt grade geschieht, und erinnern, was hilft und heilt, mich und andere. Beides – bemerken und erinnern – geschieht mühelos. Was Mühe kostet, ist das Schaffen des Settings, die Bereitschaft, genau hinzuschauen, immer und immer wieder. Und das ist nur in Muße möglich. (…) Muße bedeutet nach Hannah Arendt: frei sein von äußeren und inneren Zwängen. Mit Muße sind wir frei von der Vorstellung: ‘Ich sollte lieber etwas Vernünftiges machen und nicht bloß herumsitzen und nichts tun.‘ “ – Sylvia Wetzel

Literaturhinweise:

Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht. Hilfestellung für schwierige Zeiten. Goldmann, München 2001
Sylvia Wetzel: „Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Erwachen – buddhistische Perspektiven“ In: Luise Reddemann (Hg.): Kontexte von Achtsamkeit in der Psychotherapie. Kohlhammer, Stuttgart 2011, S. 39-51

Sich selber wagen: Daring greatly

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt,
nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist
oder wo der, der Taten vollbracht hat, sie hätte besser machen können.

Die Anerkennung gebührt dem,  der wirklich in der Arena ist;

dessen Gesicht verschmiert ist von Staub und Schweiß und Blut;
der tapfer strebt;
der irrt
und wieder und wieder
scheitert,
denn es gibt keine Anstrengung ohne Irrtum und Fehler;
der jedoch wirklich danach strebt,  die Taten zu vollbringen;
der die große Begeisterung kennt,
die große Hingabe,
und sich an einer würdigen Sache verausgabt;
der, im besten Fall, am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt;
und der,
im schlechtesten Fall,
wenn er scheitert,
zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat,
so dass sein Platz niemals bei den kalten und furchtsamen Seelen sein wird,
die weder Sieg noch Niederlage kennen.“
                                                                                                                      – Theodore Roosevelt

Brené Brown zitiert diesen markigen Satz, der ein wenig an das blood, sweat and tears –Zitat von Churchill erinnert, in allen ihren Büchern, und hat ihr drittes Buch danach benannt: „Daring greatly“ .

Das Roosevelt-Zitat vom Mann in der Arena, das ich hier übersetzt habe,  kommt bei den Rehabilitandinnen gut an, sie wollen es sofort aufschreiben, kopieren, mitnehmen… Ich vermute, das liegt daran, dass sie, wie auch Menschen, die einen großen Verlust, ein Unglück oder ein Scheitern  erfahren, sich manchmal umgeben finden von Menschen in der Position des Kritikers aus dem Zitat, die, ohne selber in der Arena zu sein, es besser wissen. 

In einem mittlerweile berühmten Vortrag  http://www.youtube.com/watch?v=QMzBv35HbLk  macht die Sozialwissenschaftlerin Brené Brown (Fachbereich Soziale Arbeit an der  University of Houston, Texas)  deutlich, was zwischen Menschen passiert, wenn Verletzlichkeit sichtbar wird.
Es geht ihr um den Unterschied zwischen Sympathie und Empathie:
Sympathie beschämt, während Empathie stärkt.
Die Verletzlichkeit anderer Menschen kann uns  Angst machen.  Eine empathische Haltung erfordert, dass wir in uns selbst die Stelle finden, wo es uns so geht wie dem anderen Menschen, dass wir uns also unserer eigenen Verletzlichkeit stellen und sie anerkennen, indem wir uns dem anderen zuwenden.
Das löst die Scham auf, verbindet, tröstet und stärkt. Beide.

Diese einfache Erklärung erleichtert viele Menschen, die Schwieriges erleben, denn sie machen zusätzlich zum ursprünglichen Problem gelegentlich die schmerzliche Erfahrung, dass Freundinnen und Freunde, WeggefährtInnen oder Verwandte sich abwenden.
Auch in der sozialen Arbeit wie in der Begleitung oder Betreuung von kranken, trauernden, scheiternden Menschen ist es immer wieder wichtig, sich der eigenen professionellen Haltung zu vergewissern: Sympathie oder Empathie?

Sympathie, so hat Brown herausgefunden, schwächt die Empfänger, denn sie stellt sie allein, stellt sie bloß, sondert sie aus, verweigert ihnen die menschliche Verbindung auf der Grundlage der prinzipiellen Gleichheit. Brown illustriert:
„Wie geht’s Dir da unten in Deiner Grube? Muss schlimm sein! (Ich bin Gottseidank nicht dort.)“
Diese Verweigerung entsteht aus den Bedürfnis, sich zu distanzieren von dem Unglück, der mangelnden Perfektion, der Krankheit und der Verletzlichkeit, die wir bei anderen wahrnehmen.

Empathie hingegen entsteht, wenn wir uns einbeziehen können:  Ich auch.
„Ich mag nicht in Deiner aktuellen Lage sein, aber wie es sich anfühlt, Angst zu haben, verletzlich zu sein, zu trauern, zu scheitern, sich zu schämen, Schmerzen zu haben, das kenne ich auch. Da geht es mir wie dir. “
Das Mitgefühl dessen, der weiß und fühlt, dass er selbst auch in der Arena steht, hilft, die lähmende Scham über die Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit zu bearbeiten, es kann stärken und beglücken, macht wieder handlungsfähig, gibt Selbstrespekt, hilft bei der Veränderung, fördert Innovation.
Mit anderen zu fühlen, empathisch zu sein, uns an die Seite zu stellen, kann uns selber helfen, die Kälte und Furchtsamkeit der eigenen Seele zu erwärmen, auf dass wir nicht einsam (und ein bisschen erleichtert, dass es uns nicht getroffen hat…) am Rand stehen, während unsere nearest and dearest mit Hingabe  (und Staub, Schweiß und Blut, manchmal) in der Arena sind, trauernd, krank, irrend, scheiternd,  sich selber wagend:

 daring greatly.

3 10 2014 095Ein wunderbarer Cartoon: „In the Arena“  zum LAUT AUFLACHEN dazu auf zenpencils, einer Seite, die sich sowieso lohnt:
http://zenpencils.com/comic/139-brene-brown-the-woman-in-the-arena/

Auf deutsch sind von Brené Brown bisher erschienen: Die Gaben der Unvollkommenheit: Leben aus vollem Herzen.
Und:
Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. 

Und hier noch das englische Originalzitat von Theodore Roosevelt,  das klingt ein bisschen 19. Jahrhundert-heroisch und hat rhetorischen Schwung:

“It is not the critic who counts;
not the man who points out how the strong man stumbles,
or where the doer of deeds could have done them better.
The credit belongs to the man who is actually in the arena,
whose face is marred by dust and sweat and blood;
who strives valiantly;
who errs, who comes short again and again,
because there is no effort without error and shortcoming;
but who does actually strive to do the deeds;
who knows great enthusiasms, the great devotions;
who spends himself in a worthy cause;
who at the best knows in the end the triumph of high achievement,
and who at the worst, if he fails, at least fails while daring greatly,
so that his place shall never be
with those cold and timid souls who neither know victory nor defeat.”
Theodore Roosevelt

It´s a date.

038 „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
                                  – Dschalâl-ed-dîn Rumî

 Dschalal ad-Din Muhammad Rumi
geb. am 30.11.1207 in Balch, Chorasan, heute Afghanistan, gest. am 17.09.1273 in Konya, heute Türkei.
Mystiker, Gründer des Sufi-Ordens, und einer der bedeutendsten persischen Dichter des Mittelalters. 
(Wikipedia)

Weiterlesen:
Hafis, Rumi, Omar Chajjam. Die schönsten Gedichte aus dem klassischen Persien. Übertragen von Cyrus Atabay. C.H.Beck, München 1998

Gelassenheit

Ich habe einer Kollegin die Empfehlung versprochen, sie suchte etwas zur Stressreduktion durch Achtsamkeit:

Rick Hanson:
Das gelassene  Gehirn eines Buddha.
Schritt für Schritt zu mehr Resilienz und Wohlbefinden.
Buch und 2 CDs, arbor Verlag, Freiburg 2013

Ein angenehmer Text, der viel erklärt, und den man nicht gelesen haben muss, um den Übungen auf den CDs zu folgen. Das sind, bis auf die erste vielleicht, nicht wirklich angeleitete Mediationen, dafür ist das zu textlastig,  fragenreich und schnell gesprochen, aber es sind gute Übungen, auch Schreib-Übungen, um den Stress, der durch zu viel Anziehung, Vermeidung und Ablehnung entsteht, zu mindern.
„Möge ich in diesem Leben möglichst glücklich und mit mir im Einklang sein!“

Bücher, die helfen…

Im Bücher-Gespräch kommen Menschen und Bücher zusammen:
Bücher, die helfen. Menschen, die diese Bücher brauchen können.
So wird das BücherGespräch im Reha-Zentrum Utersum immer angekündigt.

Morgen ist wieder ein BücherGespräch: um 19h in der Patientenbibliothek.
Hier ein paar Bücher, die ich empfehlen kann:

Wilhelm Schmid: Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden.
Insel Verlag  Berlin 2014
(Gelassen.)

Ders.: Unglücklich sein. Eine Ermutigung. Insel Verlag Berlin 2012 (Eine paradoxe Intervention: Unglücklich sein, aber dann richtig. Und: Unglück ist so normal, und so flüchtig, wie Glück. Das wusste schon Mascha Kaleko)

Christine Bolam: Einladung zum Glück. Eine Reise in sieben Schritten. Kamphausen Verlag  2003 (Praktisch, lebensnah, poetisch, tüchtig, ein bisschen wie das Foto der Autorin, Psychotherapeutin und Künstlerin, auf dem Umschlag.)

Dr.med. Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein… . Rowohlt Verlag Reinbek 2009 

Joan Didion: Das Jahr magischen Denkens. Claassen Verlag  Berlin 2006 (Roman der großen US-amerikanischen Schriftstellerin über das Jahr nach dem Tod ihres Mannes.)

Jon Kabat-Zinn & Ulrike Kesper-Grossmann: Die heilende Kraft der Achtsamkeit. Buch und 2 CDs mit Meditationsanleitungen. Arbor Verlag Freiamt 2004(Sehr empfehlenswerte angeleitete Meditationen auf den CDs.)

Jutta Bauer: Selma. Lappan Verlag  Wien 2011 (Filosofisches Schaf. Ist wohl nur noch antiquarisch zu haben.)

Annelie Keil:  Auf brüchigem Boden Land gewinnen. Biografische Antworten auf Krankheit und Krisen. Kösel Verlag  München 2011 (Schöne, greifbare und poetische Bildsprache. Lebenserfahren.)

Gib Deine Einsamkeit…

Gib Deine Einsamkeit nicht leichtfertig auf.
Lass sie tiefer werden.

Lass sie in dir gären und dich würzen
Wie nur wenige menschliche
Oder gar göttliche Zutaten es können.

Etwas, das meinem Herzen gefehlt hat heute Nacht,
Hat meine Augen so weich gemacht,
meine Stimme
so sanft,
Mein Sehnen nach Liebe
Vollkommen
Klar.

(Hafiz, persischer Dichter, 1320 – ca. 1390. 
Englische Nachdichtung von Daniel Ladinsky in seinem Buch: I Heard God Laughing, von mir übersetzt.
Deutsche Ausgabe:
Daniel Ladinsky:  Ich hörte Gott lachen, Arbor Verlag, Freiburg i.Br.)
6 8 14 105

 

 

 

 

– Und gleich flattert mir ein Kommentar auf den blog:

Herzlichen Dank für die wunderbare Lyrik aus Persien- sie kam mir gerufen auf den Schreibtisch, an dem ich an meinem neuen Buch arbeite: Gedankenmeere auf weißen Blättern fesseln wollen, das ist schon eine unglaubliche Herausforderung. 

Alle Gute weiter für Ihre Arbeit, liebe Claudia Fuchs- und Grüße auf die Insel Annelie Keil

 

StrandkorbBücher, die helfen…

DSC00330Den RehabilitandInnen, die gestern Abend lieber am NordseeStrand als in der Patentenbibliothek des Reha-Zentrums verbringen wollten, habe ich versprochen, zwei meiner gestrigen Empfehlungen hier im blog zu veröffentlichen, damit sie das Beste aus zwei Welten bekommen.
Here goes:

 Verena Kast: Glückskinder. Wie man das Schicksal überlisten kann. dtv
Hier geht es um zwei Märchen und einen Mythos: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren; Ali Baba und die vierzig Räuber; Sisyphos. Die Geschichten werden langsam, Sequenz für Sequenz, analysiert, sorgfältig und ruhig im Ton. Das Thema ist immer aktuell: wie ist das Erfolgsrezept der Glückskinder? Und es zeigt sich, dass es nicht nötig ist, immer nur gute Umstände zu haben, und dass auch die gute Startposition es nicht bringen  muss, sondern dass es Mittel und Wege gibt, im Märchen und Mythos genau beschrieben, wie mit den Umständen umgegangen werden kann
, dass sie zum Guten ausschlagen, zum Glück  werden können. Glück, so scheint es, kann frau haben, aber sie kann es auch machen.
Und ein bisschen davon, wie es geht, steht bei Verena Kast.

Auch Luise Reddemann kann von den Zutaten für ein geglücktes Leben aus der Praxis berichten:
Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.  Seelische Kräfte entwickeln und fördern. Herder Verlag, Taschenbuch.
Da gibt es immer wieder Momente zum Inne-Halten, zum Klarer-Werden, da werden viele Schritte ausbuchstabiert und Möglichkeiten gegeben, sich durch Wandlungen und Veränderungen zu bringen und die eigenen Kräfte zu stärken. Ein Kurs, ein guter Begleiter, eine Inspiration!
Ebenfalls sehr gut im Utersumer Strandkorb zu lesen.
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Märchenweisheit: Wege zum gelingenden Leben

Einige Märchen-Interpretationen  von Verena Kast sind in einem neuen Band im Patmos-Verlag zusammengefasst worden:

Verena Kast: Das Mädchen im Sternenkleid und andere Befreiungsgeschichten im Märchen. Patmos-Verlag, Ostfildern 2012

Es handelt sich um Märchen, die Befreiungswege vorzeichnen: Ablösung, Trennung, Wege aus unguten Bindungen, die eigene Identität finden, ein gelingendes Leben ansteuern. In der Analyse des Märchens: Das Mädchen ohne Hände schreibt Kast, dass es manchmal in Befreiungsgeschichten darum geht, den richtigen, den guten Moment abzuwarten im Vertrauen darauf, dass er auch kommt: „Das Gefühl für den richtigen Moment setzt voraus, dass man die Situation sehr genau wahrnimmt und sich selber in der Auseinandersetzung mit dieser Situation spürt, dass man sehr deutlich die Interaktion zwischen dem, was man zu brauchen meint, und dem, was angeboten ist, sieht.“ Vertrauen, meint Kast, kann die Not wenden.

Bei Rainer Maria Rilke hört sich das so an:

Man muß den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen – und
dann gebären ….

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
daß dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch !

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit …

Man muß Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.