Kategorie-Archiv: Literatur: Bücher, die helfen

Die Literaturangaben der Fachliteratur, die ich in der KraftquellenArbeit verwende und auch der Empfehlungen aus den Büchergesprächen, die ich unter dem Titel: „Bücher, die helfen, und Menschen, die die Bücher brauchen können“ im Reha-Zentrum veranstalte.

Vergänglichkeit: Harmonie mit der Wirklichkeit!

Ich habe noch einmal nachgelesen:

Vergänglichkeit, nicht Veränderung, ist das Gute an der Wirklichkeit, sagt Pema Chödrön.
Sie ist eine Meditationslehrerin, tibetischer Buddhismus, und hat eine ganze Reihe wirklich nützlicher und hilfreicher Bücher geschrieben, wie ich finde. Das Zitat ist aus dem Buch:
Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht. Hilfestellung für schwierige Zeiten. Goldmann Taschenbuch 2001
Sie schreibt:
„Vergänglichkeit ist die Essenz von allem. (…) Vergänglichkeit ist Begegnung und Trennung. Vergänglichkeit ist sich verlieben und die Liebe wieder verlieren. (…) Die meisten Menschen haben keinen Respekt vor der Vergänglichkeit. Wir freuen uns nicht an ihr; tatsächlich verzweifeln wir an ihr. Wir sehen sie als Schmerz. (…) Wenn wir uns nicht gegen sie wehren, sind wir in Harmonie mit der Wirklichkeit.“ (Goldmann Verlag, Taschenbuchausgabe 2001, S. 95)
Das passt doch sehr gut als Kommentar zur Heldinnenreise von Schneewittchens Stiefmutter!
Und allen, die gerne mit der Achtsamkeitsmeditation anfangen wollen und sich dafür nicht in eine Gruppe begeben wollen oder können, empfehle ich das zauberhafte Bändchen:
Pema Chödrön: Meditation. Freundschaft schließen mit sich selbst. Kösel Verlag 2013
Dort wird verständlich und mit Humor erklärt, was Meditations-AnfängerInnen nicht wissen können, und vor allem findet sich hier die zentrale Botschaft von Pema Chödrön ein weiteres mal:
Jedes Programm, das wir zu unserer Selbstverbesserung machen, entspricht einer subtilen Aggression gegen uns selbst. Die Botschaft ist: Du bist nicht gut genug, wie du bist. Die Blickrichtung ist meist von außen nach innen, genau wie bei Schneewittchens Stiefmutter, die auch nur nach dem Blick in den Spiegel weiß, wer sie ist.
Spannend wird es, wenn wir das hinter uns lassen, und anfangen, zu akzeptieren, was ist. Dann kann der Raum entstehen, in dem Veränderung wachsen kann. Das ist nicht die Sorte Selbstoptimierung, die sich als Daten in ein Handgelenks-Bändchen einspeisen lässt und dafür sorgt, dass wir noch berechenbarer und manipulierbarer und transparenter für Verkaufsstrategen werden. Es ist die Art von sanfter Veränderung unseres Lebens, die dafür sorgt, dass wir etwas mehr Raum um uns herum haben, in dem wir atmen  und wachsen können.
Wie ein Meditationslehrer sagte:
„Ließ sich mein Leben zuvor mit einer vollgestellten Garage vergleichen, in der ich laufend an irgend etwas anstieß und entsprechend schimpfte, bin ich nun in eine Flugzeughalle mit offenen Toren umgezogen. Dort stehen dieselben alten Sachen, doch sie beengen mich weniger. Ich bin derselbe geblieben, habe jetzt jedoch mehr Bewegungsfreiheit, kann sogar fliegen.“
In: Jack Kornfield: Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen. Goldmann Verlag, München 2010, S. 240
Vergänglichkeit: schafft in Wirklichkeit Raum für Neues!

BücherGespräch: Begegnung mit dem Ungewollten

Vor einiger Zeit habe ich das BücherGespräch als Veranstaltungsreihe im Reha-Zentrum eingeführt:
Bücher, die helfen, und Menschen, die diese Bücher brauchen können.
Wir sitzen in der Bibliothek und tauschen uns aus, manche RehabilitandInnen haben die Bücher mitgebracht, die sie grade lesen, ich bin auch vorbereitet, und wir erleben, wie nährend Worte sein können, wenn es die richtigen Worte sind.

Ich erzählte die alte keltische Sage von den fünf Söhnen des Königs Eochaid, wie sie von Saki Santorelli zitiert wird. In dieser Geschichte geht es darum, das Ungewollte, Angstauslösende, das Erschreckende, zu umarmen. In der Sage wird das Ungewollte als hässliche alte Frau personifiziert, die das Wasser bewacht, das dringend zum Überleben gebraucht wird. Aber sie will geküsst werden, sonst macht sie den Weg nicht frei…. Wir haben uns dann mal eben in die Rolle der Alten versetzt, wie sie die durstigen Königssöhnchen erschreckt, mit ihren schiefen großen Zähnen, ihrer Lebensweisheit, ihrer Lust am Amusement und ihrer großen Macht. Als wir genügend gelacht hatten, wurde deutlich, was heilsam ist, wenn wir dem Ungewollten begegnen:
„Tiefen Kontakt zu dem Ungewollten herzustellen, unsere Herzen in unserer eigenen Geschwindigkeit zu öffnen und mit Sanftmut vorzugehen anstatt mit der Absicht, zu leugnen, zurückzuweisen oder zu zerstören.“ Saki Santorelli
In der Sage ist es der fünfte Sohn, Niall, der die Hüterin der Quelle bereitwillig küsst und umarmt. Sie verwandelt sich daraufhin und ist so schön, dass er sie als eine „Milchstraße von Zaubern“ erlebt. Sie ist die Königin von Tara, und ihre königliche Macht besteht genau darin: dem Ungewollten mit Güte und Liebe zu begegnen.

Saki Santorelli: Zerbrochen und doch ganz. Die heilende Kraft der Achtsamkeit. Arbor Verlag, Freiburg im Breisgau 2012
Der Leiter der Stress Reduction Clinic der Universität von Massachusetts war an der Entwicklung des MBSR-Programms beteiligt, das es auch in Deutschland mittlerweile gibt: Mindfulness based stress reduction ist ein Acht-Wochen-Programm zur Stressreduzierung durch Meditation und andere Achtsamkeitsübungen. Im Buch werden die Erfahrungen mit dem Programm dargestellt, zahlreiche PatientInnengeschichten erzählt und Übungen erklärt. Außerdem gibt es poetische Worte, von Rumi, dem persischen Dichter, zum Beispiel.

Listen schreiben: die Welt er-zählen

„(…)  ich arbeitete an meinen Listen bevorzugt in Momenten, in denen niemand anders an Listen auch nur gedacht hätte, und störte mich an den verwunderten Blicken schon lange nicht mehr.“
– Lena Gorelik: Die Listensammlerin

Lena Gorelik beschreibt das Herstellen einer Ordnung im Geist: die Aufzählung. Das kann zur Obsession werden. Wenn der sinnvolle Zusammenhang fehlt oder nicht gestaltet werden kann, wenn die Sätze nicht da sind und die Begründungen fehlen, wenn die Ordnung neu ist oder gefährdet, wenn wir uns fühlen, als seien wir in einem Labyrinth, wenn etwas zusammenbricht,  dann hilft manchmal: aufzählen, was ist. Continue reading

There are no shortcuts: das Mandala des längeren Weges

Dieser blog-Eintrag wurde bereits auf www.inselschreibwerkstatt-blog.de in der Kategorie „Kraftquellen“ veröffentlicht.

23.7.13 054Wenn wir mit den Mandalas aus dem Buch von Ruediger Dahlke: Mandalas der Welt arbeiten, dann bitte ich die TeilnehmerInnen immer, sich vom Mandala finden zu lassen: einfach das Buch durchblättern, nicht hinsehen, und auf eine Seite tippen. Das, was dann da ist, ist ihr heutiges Mandala. „Aber wenn mir das nicht gefällt?“ – Dann ist das wie im richtigen Leben manchmal, wo ich mir manches aussuchen kann und manches nicht. Und wo ich nicht immer mich von meinen Vorlieben und Neigungen antreiben lassen muss, sondern Continue reading